... und ist das wichtig?
Weihnachtsbräuche: wie war es bei Dir zu Hause?
Ich bin mit dem Christkind großgeworden. Und mit dem Nikolaus. Der Nikolaus füllt am 6. Dezember die Stiefel mit Gutsje (hessisch für "Süßigkeiten", "Gaben", "Leckereien", Hochdeutsch: etwas Gutes). Und das Christkind bereitet am Heiligen Abend die Bescherung.
Bei den Christen, die überall in der Welt verstreut und ansässig sind, sind die Traditionen unterschiedlich. Manche feiern die Bescherung am 25. Dezember ganz früh morgens, andere müssen sich bis zum 6. Januar gedulden, ehe sie ihre Pakete auspacken dürfen. Doch in dem Land, in dem ich lebe, gibt es einen wunderbaren Brauch, mit eben diesem bin ich großgeworden. Hier nun wie meine Familie Weihnachten feierte:
Meine Familie kam väterlicherseits (Großmutter & Großvater) aus Düsseldorf und aus Berlin. Gelebt haben die beiden in Wiesbaden, und hier wurden ihre sechs Kinder geboren (zuerst kamen die drei Mädchen, dann die drei Buben).
Ich selber bin in einem ganz anderen Bundesland geboren, doch dort erlebte ich lediglich meine Geburt, ehe es nach Nordrhein-Westfalen ging. Und hier wurde ich groß - ohne Mutter zwar, dafür aber mit einem Vater, der für mich die Welt war. Manchmal gab es Weihnachtsfeste mit einer Frau an seiner Seite, manchmal waren wir beide alleine (vor allem, als ich noch ein Kind war). Mein Vater arbeitete viel, immerhin war er Alleinerziehender und musste zusehen, das die Miete, Strom und das Auto bezahlt wurden - und die "Rübe" (nämlich ich 😉) wollte ja auch versorgt werden. Ich war nie anspruchsvoll, wollte nie Reichtümer, viele Klamotten oder stellte Ansprüche in irgendeiner Weise. Und das, obwohl mein Vater mir immer vermitteln wollte, das es uns an nichts mangelte: Er verprasste die Knete mit vollen Händen.
Aber ich wollte nie viel. Mich verlangte nach Büchern. Das war meine Welt. Hin und wieder ein Stofftier geschenkt zu bekommen, das war schon herrlich, eine tolle Sache, aber nicht notwendig. Klar, als Kind war ich immer gespannt, was ich denn zum Geburtstag oder zu Weihnachten bekommen würde, aber dennoch reichte all das, was ich bereits hatte, zum Glücklichsein. Ich hatte sooo viele Spielsachen, das ich nicht wusste, wann ich noch Zeit hatte, mich damit zu beschäftigen.
Und dann kam das Weihnachtsfest. Wir gingen am 24.12. los, um einen Baum zu kaufen. Die Baumkugeln, die wir schmückten, waren aus Glas, und wir hoben das Engelshaar und Lametta immer auf. Mein Vater packte alles immer sorgfältig ein. Er verstaute auch die Lichterkette immer so, das keine Knoten entstanden. Sehr gründlich also. :) Umso mehr Spaß machte das Schmücken des Baumes im aktuellen Weihnachtsfest, denn wir mußten nicht groß suchen oder hielten uns lange mit dem Entwirren des Lamettas auf.
Wenn wir den Baum dann aufgestellt hatten - das gestaltete sich manchmal schwierig, denn wir hatten einen tönernen Topf mit Schrauben, die in den Stamm gedreht werden mussten, und wenn der Baum zu schwer war, dann kippte einfach alles um - ging es ans Schmücken. Meistens durfte ich den Großteil übernehmen: Kugeln und hölzerne Aufhänger gestalten, wie ich Lust und Laune hatte. Nur das Lametta, das wollte mein Vater doch gerne verteilen. Und das aus vollen Händen! Manchmal schien der Baum geradezu vor Lametta überzuquellen, und wenn er sich einer anderen Aufgabe widmete, dann nahm ich einfach wieder etwas ab und packte es - natürlich sorgfältig - wieder weg. ;)
Der Baum war also aufgestellt und geschmückt. Währenddessen hörten wir stimmungsvolle Weihnachtslieder (auf Schallplatte) von Bing Crosby, Vico Torriani oder Sampler, auf denen ganz viele unterschiedliche Interpreten die schönsten Lieder schmetterten. Songs aus ganz Europa und auch aus - und vornehmlich - aus Amerika.
Gegen 17 Uhr wurde gegessen. Mein Vater war kein Meisterkoch. Oft gab es Weiße Bohnen aus der Dose. Aber an Weihnachten legte er sich richtig ins Zeug: frische Kartoffeln, Soße, Gemüse (ich habe noch nie Fleisch gegessen, und mein Vater respektierte das). Manchmal gab es Tomaten dazu, Salatgurke, Möhrchen, Erbsen... ein Festschmaus!
Und dann nahte die Bescherung! Paps schickte mich in mein Zimmer und sagte: "Bald kommt das Christkind. Warte noch eine halbe Stunde, dann ist es bestimmt da!"
Ich wusste, das in dieser Zeit die Geschenke unter den Baum gelegt würden - und klar, schon mit fünf Jahren wusste ich, das mein Vater sie darunter legte, aber es war schön zu glauben, das ein überirdisches Wesen wie durch ein Wunder in unser Heim kommen und uns eine Bescherung bereiten würde. Ich konnte es meistens gar nicht mehr erwarten, selber meine Geschenke für meinen Vater unter den Baum zu legen. Übrigens musste er in dieser Zeit auch das Wohnzimmer verlassen!
Mein Vater hatte ein Glöckchen, eine Bimmel aus Messing mit Holzgriff. Wenn diese drei Mal geläutet hatte, dann war Bescherung!
Und was war das schön! Noch heute sehne ich mich nach der Zeit, als ich schon vor Heiligabend speluren ging, um zu sehen, was ich an Geschenken bekam. Ich wusste ja genau, wo mein Papa die Geschenke versteckte. Und doch - wenn es mehrere Päckchen gab - sah ich nur ein wenig in einem nach. Ich freute mich jedesmal wieder, es war einerlei, ob ich es nun wusste oder nicht, und es spielte auch keine Rolle, wenn es nur ein Geschenk war.
Nach der Bescherung sahen wir noch einen Film, dann ging es zur Spätmesse in die Kirche. Und so festlich die Stimmung auch immer war, ich traute mich niemals mitzusingen, obwohl ich mir jedes Jahr wieder vornahm, das ich beim nächsten Weihnachtsfest aus vollem Halse mitsingen würde.
Das Schönste an Weihnachten war immer, ein paar Tage mit meinem Papa genießen zu können, ihn ganz für mich allein zu haben! Wir schauten alte Filme wie "Wir sind keine Engel" (1955) oder "Ist das Leben nicht schön?". Und in dieser Zeit des Jahres traute sich sogar mein Vater Nähe zu, hielt meine Hand, hatte Tränen der Rührung in den Augen und schien glücklich zu sein.
Ich habe viele wundervolle Erinnerungen an das Weihnachtsfest, und so habe ich es immer geliebt und gefeiert.
Und auch, wenn der amerikanische Brauch des 'Weihnachtsmanns' mehr und mehr um sich gegriffen hat: ich zelebriere nach wie vor den Geburtstag Jesu Christi - auch, wenn er eigentlich im Sommer stattgefunden hat. 😉 Dennoch ist mein persönlicher Gabenbringen das Christkind, und nicht der Weihnachtsmann.^^
Ausführendes Anhängsel: Ich hab' den Weihnachtsmann gern! Allerdings hatte ich mit dem Gabenbringer als Kind unter dem Namen 'Nikolaus' zu tun, der ursprünglich Geschenke verteilte. Der amerikanische Weihnachtsmann (Santa Claus) ist mir natürlich von klein auf bekannt gewesen, denn von Wiesbaden aus wurde im zweiten Weltkrieg die Luftbrücke nach Berlin organisiert, die die dort stationierten und von der Außenwelt abgeschnitten Soldaten wie auch Zivilisten mit Lebensmitteln versorgte. Wiesbaden selber hat in diesen schrecklichen Zeiten eine wichtige Rolle gespielt, und da meine Familie väterlicherseits hier ansässig war/aufgewachsen ist, und meine Mutter (nebst Familie) ursprünglich aus Berlin kam, ist dies eine verbindende und sozusagen brückenbauende Geschichte. Wiesbaden war immerzu von amerikanischen Mitbewohnern besiedelt, und ich bin froh und dankbar dafür! Und somit ist der Weihnachtsmann wie auch das Christkind ein gleichermaßen wichtiger Bestandteil des Weihnachtsfestes für mich.
Davon ab muss man auch einfach mal Träumen und Schwärmen können. Die schönsten Geschichten entstehen doch aus der Fantasie, die in den Herzen und Seelen der Menschen wohnen! Ohne all das wäre unser Leben farblos. Und so gestaltet der Weihnachtsmann das Fest der Liebe noch ein wenig farbenfroher. 💗


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