Montag, 17. Dezember 2018

Matty und Gigi auf großer Fahrt - Kapitel 9



9. Gestatten, Frank mein Name


Der Aufstieg in den dunkler werdenden Himmel verlief einigermaßen glatt, bis auf ein paar kleine Schlingerer nach rechts und links. Während sie flogen, erklang leises, melodisches Glöckchensingen, das vom Zauberpulver verbreitet wurde. Je näher sie mit der Zeit der Erde kamen, desto stockender wurde der Flug. Bippy hatte nun wieder sichtlich Mühe, den Schlitten auf ebenen Bahnen zu lenken.
"Was ist los?" rief Arton.
"Es ist zu windig. Der Schlitten ist zu leicht... "
"Zu leicht?" sagte Gigi leise und warf einen Blick auf den brummeligen Mann neben ihr. Dieser Kerl war ganz schön stämmig, der musste doch genug Gewicht mitbringen. Arton entging Gigis Blick nicht, und er grinste sie an, als er mit der Hand vorsichtig über ihren Kopf fuhr. Zu ihrem Erstaunen erschrak sie nicht, und noch erstaunlicher fand sie, das seine Berührung ganz sanft und lieb war.
"Ich spüre keinen Wind," sagte Matty mit fragendem Blick.
"Natürlich nicht," antwortete Bippy ohne sie anzusehen. Er musste alle Konzentration auf das Steuern des Schlittens verwenden. "Wir sind hier in einem geschützten Raum. Das kommt vom Staub. Aber so ganz unbehelligt sind wir eben auch nicht von den äußeren Einflüssen."
Sie näherten sich der Erde jetzt so weit, das sie bereits den Boden sehen konnten. Hier war alles weiß.
"Was ist das?" fragte Gigi neugierig.
"Schnee, das ist Schnee."
"Gibt es doch im Weihnachtsland auch," sagte Matty und lehnte sich zu Gigi zurück.
"Ja, stimmt," und Gigi schüttelte den Kopf. "Hab' ich da auch gesehen. Ich wusste nur nicht, das es hier so ähnlich ist. Ich dachte, alles wäre anders."
Arton lachte.
"Klar ist alles anders, aber das Wetter ist gleich!" Und er hielt sich vor lauter Lachen die Zöpfe seines Bartes.

Sie befanden sich nun nur noch wenige Meter über dem Boden, der stetig näher kam. Mit einem Mal kippte der Schlitten heftig zur Seite. Die Insassen hatten allesamt Mühe, sich vor lauter Schreck festzuhalten. Die Beutel mit magischem Staub, die Decken, ja sogar Bippys Hut wollten schon über Bord gehen. Eines der Säckchen fiel schon gen Boden, doch Gigi konnte es geistesgegenwärtig mit einem schnellen Schnapper am Bändel mit den Zähnen festhalten. Doch einiges des Pulvers rieselte fein nach unten. In diesem Moment bekam der Wichtel den Schlitten wieder einigermaßen unter Kontrolle und verhalf den Reisegefährten so wieder zu einer angenehmeren Sitzlage.
Arton nahm das Beutelchen von Gigi entgegen und knotete es gut zu.
"Hui, das war knapp!" Bippy wischte sich eine Schweißperle von der Stirn.
Als sie ihren Flug nach einem kurzen Stocken fortsetzen wollten, vernahmen sie plötzlich eine laut rufende Stimme:
"Heeee! Wartet auf mich!"
"Wer zum... ?" fragte Arton überrascht.
Gigi und Matty lehnten sich über den Schlittenrand und blickten nach unten, sahen sich gegenseitig fragend an, und wieder nach unten.
Bippy lenkte den Schlitten in einer beachtlich engen und gekonnt gelenkten Kurve wieder ein Stück zurück und hielt inne. Sie schwebten über dem Boden, während die Stimme immer noch etwas brabbelte.
Und dann sahen sie die Gestalt: einen Schneemann. Doch der konnte unmöglich gesprochen haben! Wer also war es dann?
Bippy landete den Schlitten und stieg aus.
"Hallo? Wer ist da?"
"Na hier, ich steh' doch direkt vor dir!" sagte die Stimme empört.
Der Wichtel traute seinen Augen und Ohren nicht, und auch Arton stieg nun ungläubigen Blickes aus dem Gefährt, Matty auf seiner Schulter. Sie war furchtlos nach allem, was sie heute schon erlebt hatte. Gigi lehnte sich vorsichtshalber nur über den Schlittenrand, denn das war ihr nicht geheuer.
Der Schneemann sagte:
"Gestatten, Frank mein Name."
"Da brat mir doch einer einen Drachen!" brummte Arton perplex. "Aber wieso kannst du uns überhaupt sehen? Und wieso kannst du sprechen, zum verhexten Tonkrug nochmal?"
"Konnte ich schon immer, also sprechen, aber mich hat niemand gehört. Is' ja auch keiner mehr hier. Sind alle weg."
Mit einer Kopfbewegung deutete er hinter sich auf das Haus, das nur mehr aus einem Haufen loser Steine bestand. Haus konnte man das nun wirklich nicht mehr nennen. Allgemein sah die ganze Gegend so aus. Es gab kaum noch einen Stein, der auf dem anderen stand.
"Der Staub muss ihn getroffen haben," sagte Bippy nachdenklich.
"Ja, da kam was Feines runtergerieselt. Dachte zuerst, es schneit wieder mal. War aber kein Schnee, nee nee," erklärte Frank. Er fügte hinzu: "Ich würd' die Mütze lüpfen, gehört sich ja so, aber wie ihr seht, ich habe keine Arme. Die hat mir so ein Spaßvogel weggenommen."
"Arme," sagte Arton grinsend, "sind schon was Praktisches. Dann organisiere ich dir mal welche."
"Dann brauchen wir nochmal Zauberpulver," seufzte Bippy. "Und das sollte ich lieber einteilen."
"Mach nicht so 'nen Wind," sagte Arton grimmig, "für die zwei Ärmchen. Guck dir das Kerlchen doch mal an! Da braucht's nicht viel."
Nach ein paar Minuten kehrte Arton mit zwei dünnen Ästchen zu ihnen zurück. Eines steckte er Frank links, das andere rechts in die Seite. Dieser lachte, als würde es ihn kitzeln.
Bippy hatte derweilen ein Säckchen Zauberstaub aus dem Schlitten gegriffen, doch als er zu der seltsamen Gesellschaft zurückkehrte, hielt Frank bereits seinen kleinen Zylinder in der Hand und hatte sich erneut vorgestellt. Der Wichtel kam nicht umhin, sich wieder am Kopf zu kratzen.
"War wohl noch etwas von eurem Zauberstäubchen übrig, das auf mir klebt," mutmaßte Frank. "Und nun? Kann ich mit euch kommen?"
"Das... ähm... das geht doch nicht."
"Warum denn nicht?" schaltete sich jetzt Matty ein. Sie klang entrüstet. "Wir können Frank doch nicht einfach hierlassen! Er ist ganz allein!"
"Und das ist nicht schön!" rief Gigi forsch aus dem Schlitten heraus. Sie hatte die seltsame Szene neugierig beobachtet.
"Nun gut, wenn alle einverstanden sind... Du wirst dich bei uns bestimmt auch wesentlich wohler fühlen als hier," nickte Bippy schließlich entschlossen.
Die ersten Schritte fielen Frank ein wenig schwer, doch nachdem er sich ans Hüpfen gewöhnt hatte erreichte er zügig das Reisegefährt und nahm auf dem hinteren Sitz Platz. Da es Gigi hier jetzt zu kühl wurde - obwohl sie keinerlei Angst vor dem komischen Schneemann hatte - ließ sie sich doch lieber vorne zwischen Bippy und Matty nieder.
Jetzt endlich konnten sie ihre Fahrt fortsetzen. Bippy schien die Angst, das er zum Schlittenfliegen nicht taugen würde, vergessen oder überwunden zu haben, denn ihr Fortbewegungsmittel setzte sich glatt und fließend in Bewegung.


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